Veröffentlichen und/mit AI - Lyrik, Autorenschaft und Fragen, die wir beantworten müssen
Vor dem Algorithmus
Nachdem ich in diesem Blog vorwiegend die Vorteile der AI gefeiert habe, den Produktivitäts-Boost den sie auslösen kann, möchte ich heute einen Blick zurück werfen. Während der Corona-Zeit habe ich zwei Gedichtsbände veröffentlicht. Die erste Ausgabe (冬至 / Tōji) im Jahr 2020 ist eine Zusammenstellung alter Gedichte, die sich über die Jahre bis dahin angesammelt haben, und ein Folgeband (霧雨 / Kirisame) im Jahr darauf 2021, ebenfalls mit alten Werken, aber überwiegend neuem Material aus den Jahren 2020 und 2021. In der Nachbetrachtung bin ich froh, dass ich diese Bücher vor der AI veröffentlicht habe, unter anderem an meinem massiven Einsatz von Stock-Images erkennbar :), denn heute kommt wahrscheinlich jede Veröffentlichung in den Verdacht, zumindest mit Hilfe von, wenn nicht sogar komplett von AI erstellt worden zu sein.
Die Frage, auf die niemand eine Antwort hat
Das ist mitunter auch der Grund, warum ich aktuell davon absehe, mein halbfertiges Sachbuch weiterzuschreiben. Vielleicht werde ich Teilauszüge nach und nach hier als Blogposts verwursten, aber jetzt noch Zeit und Energie in etwas zu stecken, was dann unter Generalverdacht gestellt wird und sowieso einen Shitstorm wegen seiner Kontroverse auslösen wird, habe ich aktuell nicht die Muse für. Was, für mich, einerseits schade und andererseits befreiend ist. Nichtsdestotrotz ist nichts schreiben ja auch keine Antwort auf die nun neu aufkommenden Fragen an unsere eh schon schlecht ausgebildete Medienkompetenz. Wie erkennen wir AI-generierten Content, und während ich in der Programmierung ein großer Fan davon bin, stellt sich die Frage: wie sieht es bei "nicht Bits und Bytes" aus? Content, der interpretations- und verständnisabhängig ist? Braucht es eine Kennzeichnungspflicht? Hält sich eh keiner dran, müssen wir bei allem davon ausgehen, dass die AI mitgespielt hat? So viele Fragen, auf die ich natürlich keine einfachen Antworten habe. Was meint ihr? Lasst es jemanden anderen wissen.
Um meinen sozialkritischen Geist vergangener Tage vom Papier ins Netz zu holen, möchte ich diesen Gedankenfurz mit einem Gedicht aus dem ersten Band abrunden, das sich anbietet, da ich es in Deutsch und Englisch im Buch veröffentlicht habe. Geschrieben in den 2010er Jahren, veröffentlicht 2020.
Ignorance is Bliss
Das Schaf muss nicht wissen,
dass es ein Schaf ist.
Solang die Weide grün und
das Gras saftig ist.
Ignorance is bliss
Das Schaf muss nicht wissen,
dass der, der es behütet,
eigentlich vom Wolf abstammt,
dass sein Instinkt ihm sagt,
er soll mich reissen.
Ignorance is bliss
Das Schaf muss nicht wissen,
dass der, der es behütet,
seine Anweisung von jemand bekommt,
der mir an die Wolle will,
von jemandem, der bestimmt,
wann ich geschlachtet werde.
Ignorance is bliss
Sie wissen alles über Dich,
wann Du wo gewesen und warum,
wer Deine Freunde, was Dein Interesse,
was Dein Besitz und was Dein Wunsch
und Traum. Sie sagen Dir,
was Du willst, wovor Du Angst
haben sollst und warum,
sie unterhalten Dich und
füttern Dich. Sie geben Dir was
Du brauchst und nehmen Dir
was Du bist, sie machen Dich
zu ihrem Schaf.
Ignorance is bliss
Solang meine Weide grün und
das Gras saftig ist.