Von Pixeln zu Zeichen, von Zeichen zu Pixeln
oder: zwei neue Tools, ein Grundprinzip, und die hübsche Ironie von ASCII-Art und QR-Code
Stell dir vor, du nimmst ein Foto - sagen wir, Alices Katze Mimimi1) - und verwandelst es in ein Gitter aus Schriftzeichen. Jedes Pixel wird zu einem Buchstaben. Dunkel wird zu @, hell wird zu einem Leerzeichen, die Mitteltöne landen irgendwo dazwischen. Das Ergebnis ist erkennbar Mimimi, aber aus Zeichen gebaut.
Jetzt dreh das um: Du tippst einen Text - sagen wir, eine URL - und verwandelst ihn in ein Gitter aus schwarzen und weißen Quadraten. Jedes Bit wird zu einem Pixel. Das Ergebnis ist ein QR-Code, den jedes Smartphone lesen kann.
Bild zu Zeichen. Zeichen zu Bild. Das umfasst die beiden neuen Tools, die ich euch heute in meinem kleinen Offline-Browser-Werkzeugkasten hinzufüge. Das Thema ist Medienbruch: Wie kommen wir von Bilddaten zum Text und von Text zu Bilddaten, die computerlesbar sind. Zugegeben, Ersteres ist nur eine Spielerei - ASCII-Art ist heute kein Ding mehr, wo wir hochauflösende Displays mit mehr Farben als Namen dafür haben. Aber Spaß muss sein.
ASCII-Art: Zeichensatz als Pinsel
ASCII-Art ist alt. So alt wie Computer, die Text anzeigen können. In den Anfängen auf sogenannten Bulletin-Boards, im Usenet oder in der frühen E-Mail-Ära gab es keine einfache Möglichkeit, Bilder zu verschicken. Also bauten Leute Bilder aus Schriftzeichen. Aufwändig, kreativ, und mit einer Ästhetik, die auch heute noch durchaus ansprechend ist. Es gibt sogar spezielle Disziplinen, wie die Inline-ASCII-Art @}-`-,-'-- (eine Rose), oder die ersten Emojis :-) gelten ebenfalls als ASCII-Art. Aus Japan kennen wir das ASCII-Shrug ¯\(ツ)/¯ oder den (^_^).
Beim ASCII Art Creator, den ich nun als Tool bereitstelle, geht es um "großflächige" Bilder, also um mehrzeilige ASCII-Art. Das Prinzip ist simpel: Jedes Schriftzeichen hat eine optische Dichte. @ oder # wirken schwer und dunkel, . wirkt hell und leicht, Leerzeichen verschwinden fast. Wenn du ein Bild in ein Raster aufteilst und jeden Rasterpunkt durch das passende Zeichen ersetzt, entsteht daraus ein erkennbares ASCII-Abbild. Am besten funktioniert es in einer Monospace-Schrift, also einer Schriftart, in der jedes Zeichen die gleiche Breite hat.
Der Asciifile-Creator macht genau das. Du lädst ein Bild hoch, wählst die Breite (40, 80, 120 Zeichen oder eine eigene Zahl), den Zeichensatz und ob das Ergebnis invertiert werden soll. Drei Zeichensätze stehen zur Wahl:
| Zeichensatz | Zeichen |
|---|---|
| Dense | @%#*+=-:. |
| Blocks | █▓▒░ |
| Simple | @#. |
Für die Helligkeit verwendet das Tool die ITU-R-BT.601-Luminanz, ein Industriestandard, der beschreibt, wie das menschliche Auge Farbe in Helligkeit wahrnimmt. Rot, Grün und Blau werden nicht gleichwertig behandelt: Grün wirkt auf uns am hellsten, Blau am dunkelsten. Das Ergebnis ist visuell deutlich stimmiger als ein naiver Durchschnitt der drei Kanäle.
Die Ausgabe wird wahlweise als Plaintext zum Kopieren und Einfügen ausgegeben oder als farbiges HTML, das die Originalfarbe jedes Pixels in <span style="color:…"> verpackt und so farbige Bilder ermöglicht. Das Ergebnis kann direkt heruntergeladen werden. Und wie bei allen meinen Tools findet alles in deinem Browser statt. Kein Datenupload auf irgendeinen Server, kein Tracking, keine Online-Abhängigkeit von externen Skripten oder Softwarebibliotheken. Alles passiert im Browser, gerne auch offline.
QR-Codes: Zeichen als Pixel
Wesentlich praktischer und oft nachgefragt ist das zweite Tool, welches heute an den Start geht: Der QRcode-Generator. Ein QR-Code ist im Grunde dasselbe, nur in die andere Richtung. Wird bei der ASCII-Art aus einem Bild Text, wird nun aus Text ein Bild. Aus Schriftzeichen werden Pixel. Aus einer URL wird ein Muster aus schwarzen und weißen Quadraten, das eine Kamera in Millisekunden lesen und zurückverwandeln kann. Das ist die Überwindung des Medienbruchs - wir sehen heute an jeder Ecke QR-Codes, auf Werbetafeln, auf Miet-E-Scootern oder im Restaurant, um das Menü auf dem Smartphone zu laden. Doch wie kann man selbst QR-Codes generieren? Natürlich gibt es dafür Tools im Internet. Aber!
Fast überall wird man aufgefordert, einen Account anzulegen, oder wird mit Werbung zugeballert oder schlimmer mit Tracking-Pixeln ausspioniert. Lest dazu meinen Blogpost Füttere nicht die Kraken. All das für einen zweidimensionalen Barcode, einem offenen Standard aus den Neunzigern. Kein Anbieter hat mir jemals erklärt, warum ich dafür meine E-Mail-Adresse brauche. Warum ich mit meinen Daten zahlen soll für etwas, was mein Browser für mich erledigen kann.
Features:
- Text, URL oder beliebige andere Zeichenketten
- Optionales Logo-Overlay per Drag-and-Drop
- Stille Zone einstellbar
- Invertierbar - weißer Code auf schwarzem Hintergrund
- Download als PNG
Und ihr kennt den Trick: Das Tool kann als Offline-Datei heruntergeladen werden und läuft dann ohne Internetverbindung.
Was beide verbindet
Ist doch klar, eine Information in einen QR-Code verwandeln und den dann als ASCII-Art als Kreuzstich-Muster auf Stoff bringen und an die Wand hängen, oder so.
Peace out Alexander
1) In dem Bild von Alices Katze Mimimi könnten mittels Steganographie verborgene Nachrichten enthalten sein - diese gehen beim Umwandeln in ASCII-Art unwiederbringlich verloren.